Hier der neueste Bericht von meinem Bruder aus Indonesien.
MfG C. Engler

Liebe Freunde,

Nachdem ich am 17.1.05 wieder nach Banda Aceh gefahren war, bin ich gestern Abend nach Medan zurückgekommen und möcht euch im folgenden kurz über den Stand der Dinge Berichten.

Die Grundversorgung mit Lebensmitteln und die medizinische Grundversorgung scheint mittlerweile in allen betroffenen Gebieten durch den Einsatz von vielen (nichtstaatlichen und staatlichen) Organisationen und Initiativen gewährleiste zu sein. Die UN ist sehr darum bemüht die verschiedenen Aktivitäten zu koordinieren um Überschneidungen und vor allem Lücken zu vermeiden. Das ist sehr notwendig und klappt in der Praxis unterschiedlich gut.

Die am stärktsten betroffenen Gebiete and der Westküst, die Distrikte Aceh Jaya und West-Aceh, sind größtenteils mit Hilfsgüttern immer noch nicht auf dem Landweg zu erreichen und dies wird auch noch mindestens einen Monat so bleiben. Die Versorgung geschieht zu einem kleineren Teil per Hubschrauber und zum wesentlichen Teil auf dem Seeweg. Mittlerweile haben mehrere Organisationen Schiffe gemietet und die Preise liegen mittlerweile beim doppelten bis dreifachen von dem was meine Freunde von FFI, mit dem von Euch gespendeten Geld, für ihr Schiff bezahlt haben, auch die Indonesische Marine beteiligt sich mit Schiffen an der Versorgung auf dem Seeweg.

In den ersten Tagen und Wochen hatten meine Freunde sich darauf konzentriert die Grundversorgung mit Lebensmitteln in Lamno und kurz darauf auch in Calang zu gewährleisten und erste Transporte von kleinen Ärtztteams zu organisieren. Mittlerweile konnten diese Aufgaben im wesentlichen an andere spezialisierte NGOs Abgegebn werden, so wird z.B. die Versorgung mit Nahrungsmitteln von Lamno und Calang seit. ca. 14 Tagen von einem französichen NGO (Action Against Hunger) organisiert, wobei das gemietete Boot auch für diese und andere NGOs zur Verfügung gestellt wird um die notwendige Logistik zu gewährleisten.

In Absprache mit der UN-koordination und den lokalen Schulbehörden konzentrieren sich meine Freunde jetzt auf den Aufbau von Zeltschule, Behelfsunterricht und die Restrukturierung des normalen Schulbetriebes. Hier bestehen bereits Erfahrungen und Kontakte mit Schulen und Verantwortlichen da die Organisation meiner Freunde (Fauna&Flora International) seit Anfang 2004 im Distrikt Aceh Jaya ein Projekt betreibt, welches das Umweltbewußtsein insbesobndere bei Verwaltung, Lehrern und Schülern wecken soll. Die Situation in den einzelnen Orten ist zum Teil sehr Unterschiedlich während z.B. in Lamno ein relativ großer Teil der Bevölkerung überlebt hat (somit auch Lehrer) und einige Schulgebäude unversehrt blieben (allerdings Momentan teilweise noch mit Flüchtlingen besetzt), gibt es Calang keinerlei Gebäude mehr und mehr als 90% der urpsünglich ca. 7500 Einwohner haben nicht überlebt. Denoch gibt es auch hier weiterhin Schulbedarf, da sich hier viele Flüchtlinge aus kleineren Orten gesammelt haben. Für den Aufbau von Behelfsschulen werden meinen Freunden von Unicef Schulzelte, Behelfseinrichtung und Lehrmaterial zumindest für den Grundschulbereich zur Verfügung gestellt.

In der Stadt Lamno wurde der Grundschulunterricht in drei (nicht mit Flüchtlingen besetzten) Schulgebäuden und einer Zeltschule mit sechs Klassen bereits wieder aufgenommen. In Lamno stehen noch ausreichend Lehrere zur verfügung die nicht direkt von der Katastrophe betroffen wurden und den Unterricht gewährleisten können. Auch deren Bezahlung durch die lokale Schulbehörde ist gewährleistet. In Lamno konnte also durch Bereitstellung der Lehrmaterialen, Aufbau und Einrichtung einer Zeltschule aus Unicef beständen und etwas organisatorischer und logistischer Unterstützung, mit sehr geringem finanziellem Einsatz, die notwendige Starthilfe gegeben werden um wieder mit dem Schulunterricht zu beginnen und ohne größeren externen Einsatz fortzuführen.

In Calang wurde bisher eine Zeltschule mit sechs Zelten aufgebaut in der, sozusagen im Schichtbetrieb, Grund,- Mittel- und Oberschulunterricht (bisher noch in einegschränkter Form) gewährleistet wird. Neben 4 lokalen Lehrern die weiter unterrichten können wurden bisher 7 zusätzliche Leherer aus Loksheumawee (Distrikt Nord-Aceh) engagiert. Eine weitere Zeltschule wurde im Dorf Krueng Sabe (bei Calang) aufgebaut, in der Unterricht für Grund,- und Mittelstuffe stattfindet. Neben den verbliebenen 3 lokalen Lehrern werden auch die sieben zusätlichen Lehrer hier eingesetzt. Die lokalen Lehrer werden nach wie vor von den dortigen Schulbehörden bezahlt, die zusätzlichen Lehrer aus andern Distrikten/Provinzen müßen allerdings bezahlt werden, hierfür werden pro Lehrer ca. 150,- Euro pro Monat benötigt (Bezahlung , Unterbringun, Verpflegung, Transport). Für die Bezahlung für den ersten Monat der bereits eingestellten Lehrer werden daher 1050,- Euro von dem von Euch gespendeten Geld verwendet. Lehrmaterial wird von Unicef nur für den Grundschulbereich zur Verfügung gestellt, für Mittel,- und Oberstuffe muß Lehrmaterial angeschaft werden. Das Material ist bereits in Jakarta bestellt und wird diese Woche in Banda Aceh ankommen und von dort mit dem Schiff nach Calang transportiert. Für die Anschaffung wurden 2.600,- Euro von eurem Geld verwendet.

Der Vertrag für das gemietete Schiff läuft nächste Woche aus, und es ist dringend nötig das Schiff zumindestens für einen weitern Monat zu mieten, da die Verbindung auf dem Landwege (nach Aussage der Regierung) nicht vor Anfang März wieder hergestelt sein wird. Für den weiteren Aufbau und Betrieb der Schulen ist eine zuverlässige Transportverbindung ebenso nötig wie für die weitere Gewährlesitung der Grundversorgung in Calang und Lamno. Die Miete für den nächsten Monat wird deutlich höher ausfallen und ca. 6.300,- Euro betragen (was verglichen mit den Preisen die andere Organisationen im Moment bezahlen immer noch günstig ist). Höchstwahrscheinlich brauchen wir uns aber um diese Summe keine Sorgen zu machen, da ein anderes NGO (Atlas Logistik) welches darauf spezailisiert ist Logistik in Katastrophengebieten zu organisieren um diese anderen Organisationen zur verfügung zu stellen, sehr wahrscheinlich das Boot weiter mieten und uns zur Verfügung stellen wird. Somit müßten nur die Treibstoffkosten von ca. 1.900,- Euro für einen weiteren Monat bezahlt werden.

Mein persönliche Arbeitsfeld war in den letzten drei Wochen in erster Linie natürlich nach wie vor die tierarzltiche Versorgung der acht Arbeitselefanten und die Organisation deren Grundversorgung. Entgegen den ursprünglichen Planungen und meinen Empfehlungen, hat der Leiter der Forstbehördementschieden die Elefanten moch mindestens bis Anfang März in Banda Aceh zum Trümmer räumen einzusetzten, ohne selbst wirklich ausreichend Budget für eine ausreichende Grundversorgung unter diesen Bedingungn für die Elefanten (und das dazugehörige Personal) zu haben. Glücklicherweise wurden von einem Australischen Zoo, der vor zwei Wochen eine Deligation hergeschickt hat, ausreichend Medikamente zur Verfügung gestellt, sodaß die medizinische Versorgung gewährleistet ist. Für die Grundversorgung der Elfanten stehen mir 2.000,- Euro von dem gespendeten Geld zur Verfügung, die von einer Spendergemeinschft hierfür zweckgebunden gespendet wurden. Ich bin sehr froh, daß ich so trotz der unplanmäßigen Verlängerung des Aufenthaltes der Elefanten in Bandah Aceh deren vollständige Versorgung weiter gewährleisten kann. Im Moment ist einer meiner indonesischen Kollegen in Banda Aceh um sich um die Elefanten zu kümmern und ich werde am Samastg wieder nach Banda Aceh fahren um die Elefanten weiter zu betreuen.

Eine weitere Zeltschule mit (zunächst sechs Zelten) wird diese Woche in dem Ort Panga (ca. 25 km südl. von Calang) aufgebaut in der Grund-, Mittel- und Oberschulunterricht angeboten werden soll. Hier stehen momentan noch 5 lokale Lehrer zur Verfügung. Um in den Drei Schulen in Calang, Krueng Sabe und Panga einen ausreichenden Unterrichtsbetrieb gewährleisten zu können werden zumindest noch 17 weitere Leherer benötigt die aus anderen Distrikten/Provinzen rekrutiert werden müßen. Daher soll der wesentliche Anteil des noch nicht ausgegebenen/verplanten Geldes (gut 8.000,- Euro) für die rekrutierung von ausreichndem Lehrpersonale verwendet werden. durch eure Hilfe ist es möglich die erforderliche Anzahl von Lehrern einzustellen und deren Finzazierung zumindest für mind. die nächsten beiden Monate sicherzustellen. Dies bietet zum jetzigen Zeitpunkt schon eine enorme Planungsicherheit und den notwendigen Zeitspielraum die Finazierung für ca. weitere vier Monate zu organisieren.

Obwohl derzeit bereits aus einigen andern Orten im Distrikt Aceh-Jaya Anfragen bestehen auch dort Zeltschulen aufzubauen um die Restrukturierung des Schulbetribes einzuleiten, haben meine Freunde beschlossen sich nun erst mal auf die drei Schulen in Calang, Krueng Sabe und Panga zu konzentrieren. Die einzelnen Schulen sollen noch mit mehr Zelten/Klassen ausgestattet und das Lehrmaterial und Unterrichtsangebot erweitert werden um letztlich für alle Stufen einen ausreichenden Unterricht Aufbauen zu können. Natürliche ist der Schulbedarf an anderen Standorten nicht weniger wichtig als in diesen drei Orten, aber da die Resourcen natürlich begrenzt sind erscheint es sinnvoller an einigen wenigen Standorten einen soliden Schulbetrieb zu organisieren, als sich ohne finanzielle Plannungsicherheit in zu vielen Standorten zu verzetteln und letztlich nirgends die Arbeit vervollständigen zu können.

Die Lage hier in Banda Aceh war übrigens schon seit Beginn meines
Aufenthaltes hier unproblematisch und war nach Aussage meiner Bekannten hier
nur in den ersten drei bis vier Tagen kritisch bis die entpsrechenden
Hilfslieferungen eingetrafen. In nicht betroffenen Teilen der Stadt
hat sich das Leben inzwischen wieder normalisiert und mann kann eigentlich
fast alles normal einkaufen und auch in den Randgebieten der betroffenen
Gebiete der Stadt, in denen die Zerstörung nur geringfügig war, öffnen seit
einigen Tagen nach und nach wieder Geschäfte und das Leben beginnt wieder. Um so gegensätzlicher ist es in den stärker und stark betroffenen Gebieten (über 100 km² !!) hier sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange aber es sieht immer noch verherend aus und nach wie vor werden täglich meherer LKW Ladungen voll Leichen aus denTrümmern geborgen.

Die Stadt (bzw. was davon übrig geblieben ist), ist mittlerweile voll mit
den verschiedensten Hilfsorganisationen und es hat in Banda Aceh wohl noch
nie so viele westlich Ausländer gleichzeitig gegeben wie jetzt. Die Preise
für Häuser, Mietautos und Motorräder etc steigen ins astronomische und ich
kann froh sein, das die Organisation mit der Ich in Sachen Elefanten zusammenarbeite auch ein kleines Büro
in Banda Aceh hat, welches in einem nicht betroffenen Teil der Stadt liegt,
voll funktionstüchtig ist und wo ich wärend meines Aufenthaltes hier wohne,
sodaß die ganze Situtaion für mich ziemlich unproblematisch ist.

Also das wars erst mal, falls Ihr weitere Fragen, zu den von Eurem Geld finzierten Aktionen oder zur Situtaion hier ,habt bin ich natürlich gerne bereit diese zu beantworten. Auch diesmal wieder die Bitte diese mail an alle weiterzuleiten denen Ihr auch meine erste mail (''Hilfe'') vom 29.12.04 weitergeleitet habt.

Nochmals herzlichen Dank, auch im Namen meiner Freunde hier an Euch alle für Eure Unterstützung.


Christopher